GmbH Gewerbesteuer – Berechnung und Freibeträge

Jede GmbH zahlt Gewerbesteuer auf ihre Gewinne – ohne Ausnahme. Bei einem Jahresgewinn von 50.000 Euro fallen je nach Standort zwischen 1.750 und 2.625 Euro Gewerbesteuer an. Der entscheidende Faktor ist der Hebesatz Ihrer Gemeinde.

Was ist die GmbH Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer, die alle Kapitalgesellschaften wie die GmbH oder UG zahlen müssen. Sie beträgt bundesweit einheitlich 3,5 Prozent des Gewerbeertrags, wird aber mit dem individuellen Hebesatz der Gemeinde multipliziert.

Der Gewerbeertrag entspricht grundsätzlich dem Gewinn Ihrer GmbH vor Steuern. Hinzurechnungen und Kürzungen können diesen Betrag jedoch verändern.

Berechnung der GmbH Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer berechnet sich nach dieser Formel:

Gewerbeertrag × 3,5% × Hebesatz der Gemeinde = Gewerbesteuer

Beispielrechnung

Bei einem Gewinn von 100.000 Euro und einem Hebesatz von 400 Prozent:

  1. Gewerbesteuermessbetrag: 100.000 Euro × 3,5% = 3.500 Euro

  2. Gewerbesteuer: 3.500 Euro × 400% = 14.000 Euro

Die effektive Gewerbesteuerbelastung beträgt damit 14 Prozent des Gewinns.

Hebesatz

Effektiver Steuersatz

Gewerbesteuer bei 100.000 Euro Gewinn

200%

7,0%

7.000 Euro

300%

10,5%

10.500 Euro

400%

14,0%

14.000 Euro

500%

17,5%

17.500 Euro

Gewerbesteuer-Freibetrag bei der GmbH

GmbHs haben keinen Gewerbesteuer-Freibetrag. Anders als Einzelunternehmer oder Personengesellschaften, die bis 24.500 Euro Gewerbeertrag steuerfrei bleiben, zahlt die GmbH ab dem ersten Euro Gewinn Gewerbesteuer.

Diese Regelung gilt für alle Kapitalgesellschaften:

  • GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung)

  • UG (Unternehmergesellschaft haftungsbeschränkt)

  • AG (Aktiengesellschaft)

  • SE (Europäische Gesellschaft)

Hinzurechnungen und Kürzungen

Der Gewerbeertrag entspricht nicht immer dem Bilanzgewinn. Bestimmte Positionen werden hinzugerechnet oder gekürzt.

Wichtige Hinzurechnungen

Schuldzinsen: Ein Viertel der Schuldzinsen über 200.000 Euro wird hinzugerechnet. Bei 300.000 Euro Zinsen erhöht sich der Gewerbeertrag um 25.000 Euro.

Miet- und Pachtzinsen: Ein Fünftel der Mieten über 100.000 Euro wird hinzugerechnet.

Lizenzgebühren: Ein Viertel der Lizenzgebühren über 100.000 Euro erhöht den Gewerbeertrag.

Wichtige Kürzungen

Beteiligungserträge: Gewinne aus Beteiligungen an anderen Kapitalgesellschaften werden zu 95 Prozent gekürzt.

Ausländische Steuern: Im Ausland gezahlte Steuern reduzieren den deutschen Gewerbeertrag.

Hebesätze nach Bundesländern

Die Hebesätze variieren stark zwischen den Gemeinden. Großstädte haben meist höhere Sätze als ländliche Gebiete.

Stadt/Region

Hebesatz

Effektiver Steuersatz

München

490%

17,15%

Berlin

410%

14,35%

Hamburg

470%

16,45%

Frankfurt

460%

16,10%

Niedrigste Sätze

200%

7,00%

Der niedrigste zulässige Hebesatz beträgt 200 Prozent. Viele kleine Gemeinden nutzen diesen Mindestsatz, um Unternehmen anzulocken.

Gewerbesteueranrechnung bei Gesellschaftern

GmbH-Gesellschafter können gezahlte Gewerbesteuer teilweise auf ihre Einkommensteuer anrechnen. Das gilt aber nur für natürliche Personen als Gesellschafter.

Die Anrechnung erfolgt nach dieser Formel: Anrechenbare Gewerbesteuer = Gewerbesteuer × 3,8 × Anteil am Gewinn

Bei einem Hebesatz von 400 Prozent können Sie 3,8 Prozent der Gewerbesteuer anrechnen. Das entspricht etwa 1,33 Prozent des Gewerbeertrags.

Fälligkeit und Vorauszahlungen

Die Gewerbesteuer ist grundsätzlich bis zum 15. Mai des Folgejahres fällig. Bei höheren Beträgen fordert das Finanzamt vierteljährliche Vorauszahlungen.

Vorauszahlungspflicht besteht bei einer Jahresschuld über 75 Euro. Die Termine sind:

  • 15. Februar

  • 15. Mai

  • 15. August

  • 15. November

Neue GmbHs zahlen im ersten Jahr oft noch keine Vorauszahlungen, da keine Vergleichswerte vorliegen.

Standortwahl und Gewerbesteueroptimierung

Die Wahl des Firmensitzes beeinflusst Ihre Steuerbelastung erheblich. Ein Unterschied von 200 Prozentpunkten beim Hebesatz bedeutet bei 100.000 Euro Gewinn 7.000 Euro mehr oder weniger Steuern pro Jahr.

Wichtige Überlegungen für die Standortwahl:

  • Hebesatz der Gemeinde

  • Infrastruktur und Verkehrsanbindung

  • Verfügbarkeit von Fachkräften

  • Nähe zu Kunden und Lieferanten

Eine Verlagerung des Geschäftssitzes ist später möglich, bringt aber Kosten für Ummeldungen und neue Geschäftspapiere mit sich.

Gewerbesteuer in der Gründungsplanung

Planen Sie die Gewerbesteuer von Anfang an in Ihre Kalkulation ein. Nutzen Sie unseren GmbH-Kostenrechner, um alle anfallenden Kosten zu ermitteln.

Bei der Wahl zwischen GmbH und anderen Rechtsformen hilft unser Rechtsform-Finder. Auch die Notarkosten sollten Sie in Ihre Planung einbeziehen.

Beachten Sie: Die Gewerbesteuer reduziert Ihre Liquidität und muss bei der Finanzplanung berücksichtigt werden. Bilden Sie entsprechende Rücklagen, um Nachzahlungen problemlos leisten zu können.


Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

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